Berichtstyp · Gutachterverfahren

Ergänzungsbericht (VT 3c) schreiben

Die Behandlung soll über die Höchstgrenzen der Richtlinie hinaus weitergehen – und der Gutachter erwartet eine zusätzliche Begründung. Der Ergänzungsbericht wird in freier Form abgefasst; diese Anleitung zeigt, welche Fragen er beantworten muss und wie Sie prüffest formulieren.

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Schnelle Einordnung für die Praxis

Typischer Anlass
Therapie über die Höchstgrenzen hinaus fortführen? So begründen Sie die Notwendigkeit im Ergänzungsbericht – in freier Form, aber prüffest.
Kernfrage
Was gehört in einen Ergänzungsbericht (VT 3c)?
Vorlage
Ergänzungsbericht (VT 3c) · 4 Abschnitte
Wichtigster Schutz
Der Ergänzungsbericht ersetzt nicht den Bericht an den Gutachter

Was gehört in einen Ergänzungsbericht (VT 3c)?

Ein Ergänzungsbericht begründet gegenüber der Gutachterin oder dem Gutachter, warum eine Psychotherapie über die in der Psychotherapie-Richtlinie festgelegten Höchstgrenzen hinaus fortgeführt werden soll. Er wird in freier Form abgefasst – es gibt keine vorgeschriebene Gliederung – beantwortet aber drei Kernfragen: Was erwartet die Patient:in von der weiteren Behandlung und was soll noch erreicht werden; wie beurteilt die Patient:in das bisherige Ergebnis samt bereits umgesetzter Veränderungen und neuer Ziele; und warum kann der Therapieerfolg nicht durch eine Reduzierung der Frequenz erreicht werden. Der Ergänzungsbericht wird zusätzlich zum Fortführungsantrag und dem dazugehörigen Bericht an den Gutachter eingereicht.

Der Ergänzungsbericht ist kein weiteres Formular zum Ankreuzen, sondern ein kurzer, argumentativer Text. Weil es keine vorgegebene Struktur gibt, hilft eine feste Gliederung entlang der drei Leitfragen: Sie füllen die Bausteine, statt bei jedem Fall neu zu überlegen, was der Gutachter lesen will. Wichtig ist die saubere Trennung zwischen der Sicht der Patient:in und Ihrer fachlichen Begründung.

Was gehört hinein?

Diese Gliederung entspricht der BerichtBiber-Vorlage „Ergänzungsbericht (VT 3c)" – 4 Abschnitte, die Sie mit einem Klick übernehmen und vom Diktat oder Transkript ausfüllen lassen können.

  1. 1

    Erwartungen und Ziele der Patient:in

    Beantworten Sie die erste VT-3c-Frage: Welche Erwartungen knüpft die Patientin bzw. der Patient an die Fortführung der Behandlung? Was möchte sie bzw. er noch erreichen? Geben Sie die Patient:innenperspektive als Selbstauskunft wieder und trennen Sie sie klar von Ihrer fachlichen Bewertung.

  2. 2

    Besondere Ereignisse und Notwendigkeit des Umfangs

    Beantworten Sie die zweite VT-3c-Frage: Welche besonderen Ereignisse sind eingetreten, die eine Fortführung der Behandlung in diesem Umfang notwendig machen? Stellen Sie den Bezug zu Symptomatik, Therapieverlauf, Rückschritten, Krisen, neuen Belastungen oder behandlungsrelevanten Entwicklungen her. Begründen Sie, warum diese Ereignisse eine Überschreitung des bisherigen Behandlungsumfangs erforderlich machen.

  3. 3

    Selbsthilfe und eigenverantwortliche Bewältigung

    Beantworten Sie die dritte VT-3c-Frage aus therapeutischer Sicht: Wie schätzen Sie die Möglichkeiten der Patientin bzw. des Patienten zur Selbsthilfe und zur eigenverantwortlichen Bewältigung der Verhaltensstörungen ein? Beschreiben Sie vorhandene Bewältigungsfertigkeiten, noch instabile Selbststeuerung, Rückfallrisiken und warum weitere therapeutische Unterstützung für eine tragfähige Eigenbewältigung erforderlich ist.

  4. 4

    Abschlussphase: Stunden, Frequenz und Dauer

    Beantworten Sie die vierte VT-3c-Frage: Welche Stundenzahl halten Sie für die Abschlussphase der verhaltenstherapeutischen Behandlung unbedingt noch für erforderlich? Welche Sitzungsfrequenz und welche Behandlungsdauer bis zur Beendigung der Therapie sind vorgesehen? Begründen Sie die beantragte Stundenzahl knapp anhand des noch notwendigen Abschluss-, Stabilisierungs- und Transferprozesses.

Praxis-Tipps für diesen Bericht

Tipp

Die drei Leitfragen der Reihe nach beantworten

Der Gutachter sucht drei konkrete Auskünfte. Beantworten Sie sie sichtbar getrennt, dann ist der Bericht auch in freier Form vollständig.

  • Erwartung der Patient:in an die Fortführung und noch zu erreichende Ziele.
  • Urteil der Patient:in über das bisherige Ergebnis, bereits umgesetzte Veränderungen, neue Zielsetzungen.
  • Fachliche Begründung, warum eine Frequenzreduktion den Therapieerfolg nicht sichert.
Gut zu wissen

Frequenzreduktion ausdrücklich adressieren

Der Kern der Begründung ist nicht „es geht noch nicht", sondern warum gerade der beantragte Umfang nötig ist und eine niedrigere Frequenz den Erfolg gefährden würde. Machen Sie diesen Punkt explizit und leiten Sie ihn aus Befund, Verlauf und Prognose ab.

Achtung

Der Ergänzungsbericht ersetzt nicht den Bericht an den Gutachter

Er wird zusätzlich zum Fortführungsantrag und dem regulären Bericht an den Gutachter eingereicht. Wird die Kasse zur Vorlage beim Zweitgutachten aufgefordert, gehören alle bisherigen Unterlagen in den verschlossenen Umschlag PTV 8. Reichen Sie nichts unaufgefordert vorab ein.

Rechtlicher Rahmen & Fakten

  • Ein Ergänzungsbericht ist erforderlich, wenn eine Psychotherapie über die in der Psychotherapie-Richtlinie festgelegten Höchstgrenzen (Abschnitte E 1.2.1–1.2.7) hinaus fortgeführt werden soll.
  • Der Bericht wird in freier Form abgefasst; eine feste Gliederung ist nicht vorgeschrieben.
  • Er wird gemeinsam mit dem Fortführungsantrag (PTV 1) und dem zugehörigen Bericht an den Gutachter eingereicht, nicht an dessen Stelle.
  • Im Zweitgutachten legt die behandelnde Person die Unterlagen erst auf Anforderung der Krankenkasse vor – zusammen mit allen bisherigen Unterlagen im verschlossenen Umschlag PTV 8.

Ergänzungsbericht (VT 3c) in Minuten statt Stunden

Vorlage übernehmen, Diktat oder Sitzungsnotizen einfügen – der Ergänzungsbericht beantwortet die drei Leitfragen und begründet die Fortführung prüffest.

Häufige Fragen

Wann ist ein Ergänzungsbericht (VT 3c) nötig?
Immer dann, wenn die Behandlung über die in der Psychotherapie-Richtlinie festgelegten Höchstgrenzen hinaus fortgeführt werden soll. Der Ergänzungsbericht begründet gegenüber dem Gutachter die Notwendigkeit dieser Überschreitung und wird zusammen mit dem Fortführungsantrag eingereicht.
Gibt es für den Ergänzungsbericht ein festes Formular?
Nein. Der Ergänzungsbericht ist in freier Form abzufassen; eine vorgeschriebene Struktur existiert nicht. Er sollte aber die drei Kernfragen beantworten: Erwartungen der Patient:in an die Fortführung, deren Urteil über das bisherige Ergebnis sowie die Begründung, warum eine Frequenzreduktion nicht ausreicht.
Ersetzt der Ergänzungsbericht den Bericht an den Gutachter?
Nein. Er wird zusätzlich zum Fortführungsantrag (PTV 1) und dem dazugehörigen Bericht an den Gutachter eingereicht und ergänzt diese um die Begründung für die Überschreitung des Behandlungsumfangs.
Was hat es mit dem Umschlag PTV 8 auf sich?
Beim Zweitgutachten legt die behandelnde Person die Unterlagen erst auf konkrete Aufforderung der Krankenkasse vor. Sie werden dann im verschlossenen Umschlag PTV 8 übermittelt – zusammen mit allen bisherigen Unterlagen zum vorherigen Gutachten einschließlich Kopien der Berichte und Stellungnahmen.

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