SORKC Modell Beispiele: 7 verhaltenstherapeutische Fallanalysen für den PTV3-Bericht

Marc Päpper
16.06.2026, 20:45

Wer nach SORKC Modell Beispielen sucht, braucht meist nicht noch eine abstrakte Definition, sondern eine fachlich brauchbare Übersetzung in den Praxisalltag: Welche Situation wird als Stimulus gewählt? Was gehört in die Organismusvariable? Wie trennt man kognitive, emotionale, physiologische und motorische Reaktionen? Und wie formuliert man Konsequenzen so, dass daraus ein gutachterfester verhaltenstherapeutischer Behandlungsansatz entsteht?

Genau darum geht es in diesem Beitrag. Die folgenden Beispiele sind für VT-Psychotherapeut:innen geschrieben, die SORKC nicht als Lehrbuchschema, sondern als Werkzeug für Fallkonzeption, probatorische Sitzungen, Psychoedukation und den PTV3-Bericht nutzen möchten. Der Schwerpunkt liegt auf Erwachsenenpsychotherapie, die Logik lässt sich aber auf Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie übertragen, wenn Entwicklungsstand, familiärer Kontext und Bezugspersonen systematisch einbezogen werden.

Das SORKC-Modell geht auf die verhaltensanalytische Tradition nach Kanfer zurück und beschreibt Verhalten als funktionale Kette. Eine knappe Übersicht der Komponenten bietet etwa das DocCheck Flexikon zum SORKC-Modell. Für die Berichterstellung ist entscheidend: SORKC soll nicht möglichst vollständig wirken, sondern eine konkrete Alltagssituation so erklären, dass Auslöser, individuelle Bedingungen, Reaktion und Aufrechterhaltung logisch zusammenpassen.

Was bedeutet SORKC im Gutachterbericht?

Im PTV3-Bericht ist die SORKC-Analyse eine Mikroanalyse. Sie beschreibt nicht die gesamte Störung und ersetzt auch nicht die biografische Herleitung oder Makroanalyse. Sie beantwortet eine engere Frage: Wie läuft ein typisches Problemverhalten in einer konkreten Situation ab, und warum wird es trotz negativer Folgen aufrechterhalten?

  • S - Stimulus / Situation: eine konkrete innere oder äußere Auslösesituation, möglichst szenisch und alltagsnah.
  • O - Organismusvariable: stabile oder aktuelle Bedingungen der Person, etwa Lerngeschichte, Schemata, Grundüberzeugungen, biologische Vulnerabilität, Erschöpfung oder Angstsensitivität.
  • R - Reaktion: die Reaktion auf vier Ebenen: kognitiv, emotional, physiologisch und motorisch. Diese Ebenen sollten im Bericht sauber getrennt werden.
  • K - Kontingenz: wie regelmäßig, rasch oder verlässlich die Konsequenz auf das Verhalten folgt. K muss nicht immer ausführlich formuliert werden, ist aber bei Ritualen, Rückzug, Konsum oder Sicherheitsverhalten oft sehr hilfreich.
  • C - Konsequenzen: kurzfristige und langfristige Folgen. Besonders wichtig ist die Gegenüberstellung von kurzfristiger Entlastung oder Belohnung und langfristiger Problemerhaltung.

Für die VT-Dokumentation ist die Verstärkungslogik entscheidend. C+ bedeutet, dass etwas Angenehmes hinzukommt, etwa Zuwendung, Sicherheitsgefühl oder ein Belohnungserleben. C- beschreibt, dass etwas Unangenehmes hinzukommt, etwa Konflikte, Scham oder gesundheitliche Folgekosten. C- bedeutet, dass etwas Unangenehmes wegfällt, zum Beispiel Angst, Ekel, Scham oder Spannung. Das ist der therapeutisch besonders wichtige Fall der negativen Verstärkung. C+ bedeutet, dass etwas Angenehmes wegfällt, etwa soziale Zuwendung, Kompetenzerleben oder positive Aktivitätsverstärker. Genau diese Unterscheidung erklärt, warum Vermeidung, Rituale, Rückzug oder Konsum kurzfristig funktional wirken und langfristig problematisch werden.

Eine häufige Fehlerquelle ist die Vermischung von S und R. „Angst vor der U-Bahn“ ist noch kein sauberer Stimulus. Präziser wäre: „Die Patientin steht morgens in einem vollen U-Bahn-Waggon, die Türen schließen sich, sie bemerkt Herzklopfen und sieht keine direkte Ausstiegsmöglichkeit.“ Erst danach folgen Bewertung, Gefühl, Körperreaktion und Verhalten.

Praxisregel: Für den Gutachterbericht sollte SORKC immer an einer konkreten Szene hängen. Allgemeine Formulierungen wie „bei Stress“ oder „in sozialen Situationen“ sind meist zu unscharf.

SORKC Beispiel 1: Panikstörung mit Agoraphobie

Nachdenkliche Patientin am Fenster als Symbol für SORKC Modell Beispiele bei Angst und Vermeidung.

Bei Panikstörung mit Agoraphobie zeigt SORKC besonders klar, wie Vermeidung über negative Verstärkung stabilisiert wird. Eine Patientin erlebt in öffentlichen Verkehrsmitteln wiederholt starke körperliche Aktivierung. Sie verlässt die Situation oder fährt gar nicht erst los. Kurzfristig sinkt die Angst. Langfristig nehmen Erwartungsangst, Sicherheitsverhalten und Einschränkung des Aktionsradius zu.

SORKC-Komponente Beispielhafte Formulierung
S Die Patientin steht morgens in einem vollen U-Bahn-Waggon; die Türen schließen sich, es ist warm, ein unmittelbares Aussteigen ist nicht möglich.
O Erhöhte Angstsensitivität, starke Selbstbeobachtung körperlicher Signale, Lernerfahrung von Kontrollverlust in früheren Panikattacken.
R Kognitiv: „Ich kippe um.“ Emotional: Angst. Physiologisch: Herzrasen, Schwindel, Hitzegefühl. Motorisch: Aussteigen, nächste Fahrten vermeiden.
K Die Angstreduktion folgt rasch nach Verlassen oder Vermeiden der Situation.
C Kurzfristig: Entlastung durch Wegfall von Angst und Kontrollverlustgefühl (C-). Langfristig: Zunahme von Erwartungsangst, Vermeidung und funktioneller Einschränkung (C-).

Eine gutachtertaugliche Kurzformulierung könnte lauten: „Das Flucht- und Vermeidungsverhalten reduziert kurzfristig die panische Aktivierung und das Gefühl drohenden Kontrollverlusts. Dadurch wird die katastrophisierende Fehlbewertung körperlicher Empfindungen negativ verstärkt und die agoraphobische Vermeidung langfristig stabilisiert.“

Die therapeutische Ableitung ist unmittelbar: Psychoedukation zum Angstkreislauf, interozeptive Exposition, Exposition in vivo, Abbau von Sicherheitsverhalten und kognitive Bearbeitung körperbezogener Katastrophisierung. Wichtig ist, dass diese Interventionen nicht wie Standardmaßnahmen wirken, sondern direkt aus der SORKC-Analyse hervorgehen.

SORKC Beispiel 2: Depression mit sozialem Rückzug

Turnschuhe am Bett als Symbol für Aktivitätsaufbau bei depressivem Rückzug.

Bei depressiven Störungen ist die SORKC-Analyse oft weniger offensichtlich als bei Angst oder Zwang. Gerade deshalb ist sie klinisch wertvoll. Zentral ist häufig nicht ein sichtbarer „Angsttrigger“, sondern ein Rückzugsmuster, das kurzfristig Überforderung, Scham oder Misserfolgserwartung reduziert und langfristig zu Verstärkerverlust führt.

SORKC-Komponente Beispielhafte Formulierung
S Der Patient wacht am Montagmorgen auf, sieht eine ungelesene Absage auf eine Bewerbung und denkt an ausstehende Aufgaben.
O Geringe Selbstwirksamkeit, depressive Grundstimmung, Schlafstörung, biografisch erlernte leistungsabhängige Selbstbewertung.
R Kognitiv: „Ich bin ein Versager.“ Emotional: Scham, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit. Physiologisch: Schweregefühl, Erschöpfung. Motorisch: Liegenbleiben, Absagen sozialer Kontakte, Grübeln.
K Die Entlastung durch Nicht-Handeln tritt unmittelbar ein, positive Verstärkung durch Aktivität bleibt dagegen verzögert aus.
C Kurzfristig: weniger Konfrontation mit Scham und Leistungsanforderung (C-). Langfristig: Verstärkerverlust und weniger positive Aktivitätsverstärker (C+), Isolation, mehr Grübeln und Stabilisierung depressiver Passivität (C-).

Für den PTV3-Bericht ist diese Formulierung präzise: „Der Rückzug reduziert kurzfristig Überforderungs- und Schamerleben, führt langfristig jedoch zu einem weiteren Verlust positiv verstärkender Aktivitäten und sozialer Rückmeldung. Dadurch wird die depressive Symptomatik im Sinne eines Verstärkerverlustmodells aufrechterhalten.“

Aus der Analyse ergeben sich Verhaltensaktivierung, kleinschrittiger Aktivitätsaufbau, Selbstwirksamkeitserfahrungen, Bearbeitung leistungsbezogener Grundannahmen und Umgang mit Grübeln. Der wichtigste Punkt ist: Aktivierung wird nicht als allgemeiner Ratschlag begründet, sondern als Gegenintervention zum funktional verstandenen Rückzug.

SORKC Beispiel 3: Zwangsstörung mit Waschritualen

Händewaschen als Beispiel für SORKC bei Zwangsstörung und Ritualen.

Bei Zwangsstörungen ist SORKC besonders hilfreich, weil Kontingenz und Konsequenzen meist eng beieinanderliegen. Ein Waschritual reduziert Angst, Ekel oder Verantwortungsdruck oft innerhalb weniger Minuten. Genau diese rasche Entlastung macht es so stabil, obwohl die langfristigen Folgen erheblich sind.

SORKC-Komponente Beispielhafte Formulierung
S Die Patientin berührt nach dem Einkauf die Türklinke der Wohnung und bemerkt den Gedanken, diese könne kontaminiert sein.
O Überhöhtes Verantwortungsgefühl, Intoleranz von Unsicherheit, starke Ekelreaktivität, hohe moralische Selbstanforderung.
R Kognitiv: „Ich könnte meine Familie gefährden.“ Emotional: Angst, Ekel, Schuld. Physiologisch: Anspannung, Übelkeit. Motorisch: wiederholtes Händewaschen, Vermeidung weiterer Berührungen.
K Das Ritual führt regelmäßig und schnell zu subjektiver Beruhigung.
C Kurzfristig: Reduktion von Angst, Ekel und Verantwortungsdruck (C-). Langfristig: Ausweitung der Rituale, mehr Vermeidung, keine korrektive Erfahrung im Umgang mit Unsicherheit (C-).

Stärker als „Zwangshandlungen dienen der Angstreduktion“ ist: „Das Waschritual reduziert unmittelbar das Bedrohungs- und Ekelempfinden und verhindert dadurch die Erfahrung, dass Unsicherheit und Kontaminationserwartung ohne Neutralisierung abklingen können.“

Daraus folgen Exposition mit Reaktionsmanagement, Bearbeitung von Verantwortungsüberschätzung, Umgang mit Unsicherheit und Einbezug mentaler Neutralisierungsstrategien. Mentale Rituale sollten im Bericht ausdrücklich als Reaktion erfasst werden, wenn sie für die Aufrechterhaltung relevant sind.

SORKC Beispiel 4: Insomnie mit Hyperarousal

Bei Schlafstörungen wird SORKC häufig unterschätzt. Dabei lässt sich mit dem Modell gut zeigen, wie Kontrollversuche, Schonverhalten und katastrophisierende Schlafbewertungen den Schlaf-Wach-Rhythmus destabilisieren. Entscheidend ist, nicht nur „schlechte Schlafhygiene“ zu beschreiben, sondern die Funktion des Verhaltens zu benennen.

SORKC-Komponente Beispielhafte Formulierung
S Der Patient wacht nachts um 3 Uhr auf, sieht auf die Uhr und denkt an einen wichtigen Termin am nächsten Morgen.
O Erhöhtes Hyperarousal, Grübelneigung, starre Überzeugung, nur mit acht Stunden Schlaf leistungsfähig zu sein.
R Kognitiv: „Morgen funktioniert nichts.“ Emotional: Angst, Ärger. Physiologisch: vegetative Aktivierung, muskuläre Anspannung. Motorisch: Uhrkontrolle, Liegenbleiben, tagsüber Schonung oder Schlafnachholen.
K Schon- und Kontrollverhalten vermittelt kurzfristig Kontrolle, die schlafstabilisierende Wirkung bleibt jedoch aus.
C Kurzfristig: Gefühl, etwas gegen Erschöpfung zu tun (C+) und kurzfristiger Wegfall von Kontrollverlustgefühl (C-). Langfristig: stärkere Schlafbeobachtung, instabilerer Rhythmus, mehr Schlafangst (C-).

Eine gute PTV3-Formulierung lautet: „Die nächtliche Selbstbeobachtung und das kompensatorische Schonverhalten vermitteln kurzfristig Kontrolle über befürchtete Erschöpfung, erhöhen langfristig jedoch die kognitive und physiologische Aktivierung und stabilisieren die Insomnie.“

Aus dieser Analyse lassen sich Stimuluskontrolle, feste Aufstehzeiten, Schlafrestriktion, Bearbeitung dysfunktionaler Schlafkognitionen und Psychoedukation zum Hyperarousal plausibel ableiten.

SORKC Beispiel 5: Borderline-Typus mit selbstverletzendem Verhalten

Bei Patient:innen mit Borderline-Symptomatik sollte SORKC nicht moralisch, sondern funktional formuliert werden. Selbstverletzendes Verhalten ist nicht einfach „Manipulation“ und auch nicht nur ein Symptom. In vielen Fällen handelt es sich um einen dysfunktionalen Versuch, intensive innere Spannung, Dissoziation, Wut, Scham oder Verlassenheitsangst zu regulieren.

SORKC-Komponente Beispielhafte Formulierung
S Der Partner antwortet mehrere Stunden nicht auf eine Nachricht; die Patientin sieht, dass er online war.
O Hohe Zurückweisungssensitivität, Bindungsunsicherheit, geringe Affekttoleranz, Lerngeschichte emotionaler Unzuverlässigkeit.
R Kognitiv: „Ich werde verlassen.“ Emotional: Angst, Wut, Scham. Physiologisch: Druckgefühl, starke Anspannung. Motorisch: wiederholtes Schreiben, Selbstverletzung oder impulsiver Substanzgebrauch.
K Spannungsabfall tritt subjektiv hinreichend verlässlich ein, auch wenn er nur kurz anhält.
C Kurzfristig: Entlastung, Unterbrechung unerträglicher Spannung oder Dissoziation (C-). Langfristig: Scham, Beziehungskonflikte, Selbstabwertung, erneute Krisenanfälligkeit (C-).

Gutachterfest ist eine nüchterne und zugleich nicht bagatellisierende Sprache: „Das selbstschädigende Verhalten führt kurzfristig zu Spannungsreduktion und Unterbrechung des als unerträglich erlebten Verlassenheitsaffekts, verstärkt langfristig jedoch Scham, Beziehungskonflikte und Selbstabwertung.“

Die Therapieplanung sollte daraus nachvollziehbar Skills-Training, Spannungsregulation, Krisenplan, Arbeit an Beziehungsschemata, Emotionsdifferenzierung und gegebenenfalls störungsspezifische DBT-Elemente ableiten. Bei akuter Selbstgefährdung gehört die Risikoeinschätzung zusätzlich in den psychopathologischen Befund und die Behandlungsplanung.

SORKC Beispiel 6: Substanzgebrauch mit Rückfallmechanismus

Substanzbezogene Störungen eignen sich für SORKC, weil kurzfristiger Nutzen und langfristiger Schaden oft deutlich auseinanderfallen. Ein guter Bericht beschreibt den Konsum nicht moralisch, sondern lerntheoretisch: Was genau wird durch den Konsum reguliert, vermieden oder positiv erlebt?

SORKC-Komponente Beispielhafte Formulierung
S Nach einem Paarkonflikt sitzt der Patient abends allein in der Wohnung; zusätzlich bestehen Schlafmangel und Craving.
O Geringe Emotionsregulation, erlernte Erwartung rascher Spannungsreduktion durch Alkohol, depressive Komorbidität, geringe Frustrationstoleranz.
R Kognitiv: „Nur heute, danach höre ich wieder auf.“ Emotional: Ärger, Einsamkeit, Scham. Physiologisch: Unruhe, Suchtdruck. Motorisch: Kauf und Konsum von Alkohol.
K Die sedierende und emotionsdämpfende Wirkung tritt rasch ein und wurde wiederholt als wirksam erlebt.
C Kurzfristig: Betäubung und Spannungsreduktion (C-), gegebenenfalls Belohnungserleben (C+). Langfristig: Kontrollverlust, Scham, Paarkonflikte, gesundheitliche Risiken, Rückfallkreislauf (C-).

Eine tragfähige Berichtsformulierung ist: „Der Alkoholkonsum führt kurzfristig zu Spannungsreduktion und Vermeidung schmerzhafter Affekte, verstärkt langfristig jedoch Scham, Beziehungsbelastung und Kontrollverlust, wodurch der Rückfallkreislauf aufrechterhalten wird.“

Die Behandlungsplanung kann sich dann auf Rückfallanalyse, Craving-Management, alternative Emotionsregulation, Reizkontrolle, Notfallplan und gegebenenfalls Motivational Interviewing beziehen. Entscheidend ist, den kurzfristigen Nutzen des Konsums explizit zu benennen; sonst bleibt unklar, warum das Verhalten trotz negativer Konsequenzen bestehen bleibt.

SORKC Beispiel 7: PTBS mit Vermeidung und Hyperarousal

Bei PTBS hilft SORKC, Vermeidung als aufrechterhaltenden Mechanismus darzustellen. Traumabezogene Trigger lösen Alarmreaktionen aus, die als aktuelle Gefahr bewertet werden. Vermeidung reduziert die Aktivierung kurzfristig, verhindert langfristig aber korrigierende Erfahrungen, Habituation und Differenzierung zwischen Erinnerung und Gegenwart.

SORKC-Komponente Beispielhafte Formulierung
S Die Patientin hört in der U-Bahn eine männliche Stimme von hinten und bemerkt Gedränge an der Tür.
O Ausgeprägte traumabezogene Alarmbereitschaft, Bedrohungsschemata, eingeschränkte Selbstberuhigung, frühere Gewalterfahrung.
R Kognitiv: „Es passiert wieder.“ Emotional: Angst, Hilflosigkeit. Physiologisch: Herzrasen, Erstarren, Schreckreaktion. Motorisch: Flucht aus der Situation, Vermeidung von U-Bahn-Fahrten.
K Die Erleichterung nach Flucht oder Vermeidung tritt schnell ein.
C Kurzfristig: Reduktion von Übererregung und Bedrohungserleben (C-). Langfristig: Generalisierung der Bedrohungswahrnehmung, soziale Einschränkung, ausbleibende korrigierende Erfahrung (C-).

Im Bericht kann das so verdichtet werden: „Das situationsbezogene Vermeidungsverhalten reduziert kurzfristig traumabezogene Übererregung, trägt langfristig jedoch zur Aufrechterhaltung der generalisierten Bedrohungswahrnehmung und zur Einschränkung des Bewegungsradius bei.“

Die Interventionen ergeben sich aus der Analyse: Stabilisierung und Ressourcenarbeit, Psychoedukation, traumasensible Expositions- oder Traumabearbeitungsverfahren, Abbau von Sicherheitsverhalten und Wiederaufbau von Handlungskontrolle. Die SORKC-Analyse sollte dabei immer mit Indikationsstellung, Stabilität und Risikoeinschätzung abgestimmt sein.

Vergleich: Welche SORKC-Beispiele zeigen welchen Aufrechterhaltungsmechanismus?

Störungsbild Typischer kurzfristiger Verstärker Typische langfristige Folge Naheliegende therapeutische Ableitung
Panikstörung / Agoraphobie Angstreduktion durch Flucht oder Vermeidung Erwartungsangst, Aktionsradius-Verengung Exposition, Abbau von Sicherheitsverhalten, kognitive Neubewertung
Depression Schonung, Vermeidung von Scham und Überforderung Verstärkerverlust (C+), Isolation, Passivität Verhaltensaktivierung, Aktivitätsaufbau, Arbeit an Selbstwirksamkeit
Zwangsstörung Reduktion von Angst, Ekel oder Verantwortungsdruck Ritualausweitung, fehlende Unsicherheitstoleranz Exposition mit Reaktionsmanagement, kognitive Arbeit an Verantwortlichkeit
Insomnie Kontrollgefühl und Schonung Hyperarousal, Schlafangst, instabiler Rhythmus Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion, Bearbeitung von Schlafkognitionen
Borderline-Typus Spannungsreduktion, Unterbrechung aversiver Affekte Scham, Beziehungskonflikte, Krisenanfälligkeit Skills, Emotionsregulation, Krisenplan, Beziehungsarbeit
Substanzgebrauch Betäubung, Belohnung oder Spannungsreduktion Kontrollverlust, Scham, soziale und gesundheitliche Folgekosten Rückfallprävention, Craving-Management, alternative Emotionsregulation
PTBS Reduktion traumabezogener Übererregung Generalisierte Bedrohungswahrnehmung, Vermeidungszunahme Traumasensible Exposition oder Traumabearbeitung, Abbau von Sicherheitsverhalten

Vorlage: SORKC-Analyse für Ihren eigenen Fall

Für die Dokumentation reicht oft eine knappe Struktur. Wichtig ist, dass jede Zeile fallbezogen und verhaltensnah ausgefüllt wird. Die folgende Vorlage können Sie als Denkgerüst für Probatorik, Fallkonzeption oder Berichtsentwurf verwenden.

Komponente Leitfrage Formulierungshilfe
S Welche konkrete Szene löst die Reaktion aus? „Als die Patientin / der Patient ...“
O Welche individuellen Bedingungen modulieren die Situation? „Vor dem Hintergrund von ... wird die Situation als ... bewertet.“
R Was passiert kognitiv, emotional, physiologisch und motorisch? „Kognitiv zeigt sich ..., emotional ..., physiologisch ..., motorisch ...“
K Wie verlässlich folgt die Konsequenz? „Die Entlastung tritt regelmäßig / unmittelbar / intermittierend ein.“
C Was ist kurzfristig hilfreich und langfristig problematisch? „Kurzfristig ... (C- / C+), langfristig ... (C- / C+).“

Für BerichtBiber ist diese Logik zentral: Die SORKC-Eingabe trennt situative Bedingungen, Organismusvariablen, Reaktionen auf mehreren Ebenen, Kontingenz und kurz- sowie langfristige Konsequenzen. Dadurch entstehen Berichtsentwürfe, die nicht nur Symptome wiedergeben, sondern die Funktion des Problemverhaltens beschreiben. Weitere Formulierungslogik für Verhaltenstherapie finden Sie im Beitrag zum Bericht an den Gutachter in der Verhaltenstherapie PTV3 und in den PTV3-Textbausteinen für Auslöser und Aufrechterhaltung.

Häufige Fehler bei SORKC im PTV3-Bericht

  • Zu globale Situation: „Stress“ oder „soziale Kontakte“ ist meist zu ungenau. Besser ist eine beobachtbare Szene.
  • O wird vergessen: Ohne Organismusvariable bleibt unklar, warum gerade diese Person so reagiert.
  • R-Ebenen werden vermischt: „Anspannung“ ist physiologisch, nicht emotional. Emotionen wären etwa Angst, Wut, Traurigkeit, Scham oder Schuld.
  • Kurzfristiger Nutzen fehlt: Wenn nicht klar wird, was das Problemverhalten kurzfristig leistet, bleibt die Aufrechterhaltung unverständlich.
  • Langfristige Konsequenzen bleiben pauschal: „Es wird schlimmer“ reicht nicht. Benennen Sie konkrete Folgen wie Isolation, Verstärkerverlust, Vermeidungszunahme oder Beziehungskonflikte.
  • Therapieplan hängt lose an der Diagnose: Interventionen sollten aus SORKC und Makroanalyse ableitbar sein, nicht nur aus der ICD-10-Diagnose.

FAQ: SORKC Modell Beispiele

Was ist ein gutes SORKC-Modell Beispiel?

Ein gutes SORKC-Modell Beispiel beschreibt eine konkrete Alltagssituation, individuelle Voraussetzungen, die Reaktion auf mehreren Ebenen und die kurzfristigen sowie langfristigen Konsequenzen. Es zeigt nicht nur, was passiert, sondern warum das Verhalten funktional aufrechterhalten wird.

Was gehört bei SORKC in die Organismusvariable?

In die Organismusvariable gehören stabile oder aktuelle Bedingungen der Person: Lernerfahrungen, Schemata, Grundüberzeugungen, biologische Vulnerabilität, Erschöpfung, Schmerz, Schlafmangel, Angstsensitivität oder geringe Emotionsregulation. O erklärt, warum dieselbe Situation bei dieser Person diese Reaktion auslöst.

Was ist der Unterschied zwischen K und C im SORKC-Modell?

K beschreibt die Kontingenz, also wie regelmäßig oder schnell eine Konsequenz auf das Verhalten folgt. C beschreibt die Konsequenz selbst. Bei einem Waschritual wäre K etwa die rasche und verlässliche Entlastung nach dem Ritual; C wäre kurzfristig der Wegfall von Angst oder Ekel (C-) und langfristig die Ausweitung der Zwänge (C-).

Muss K im Gutachterbericht immer erwähnt werden?

Nicht immer ausführlich. K ist besonders nützlich, wenn die Regelmäßigkeit oder Unmittelbarkeit der Konsequenz für die Aufrechterhaltung entscheidend ist, etwa bei Zwängen, Substanzkonsum, Sicherheitsverhalten, Rückzug oder selbstverletzendem Verhalten.

Wie lang sollte eine SORKC-Analyse im PTV3-Bericht sein?

Meist reicht eine kompakte, sehr dichte Darstellung. Entscheidend ist nicht Länge, sondern Schlüssigkeit: eine konkrete Situation, differenzierte R-Ebenen und eine klare Gegenüberstellung von kurzfristiger Entlastung und langfristiger Problemerhaltung.

Fazit: SORKC Beispiele sind dann hilfreich, wenn sie Funktion sichtbar machen

Die besten SORKC Modell Beispiele sind keine schematischen Tabellen, sondern klinisch präzise Miniaturen eines aufrechterhaltenden Musters. Sie zeigen, welche Situation ein Verhalten auslöst, welche individuellen Bedingungen die Bewertung prägen, wie die Reaktion auf mehreren Ebenen aussieht und welche Konsequenzen das Verhalten kurzfristig lohnend, aber langfristig problematisch machen.

Für VT-Psychotherapeut:innen ist diese Präzision besonders wertvoll im PTV3-Bericht. Eine gute SORKC-Analyse verbindet Diagnostik, Fallkonzeption und Therapieplanung. Exposition, Verhaltensaktivierung, Reaktionsmanagement, KVT-I, Skills-Training oder Rückfallprävention erscheinen dann nicht als austauschbare Standardmodule, sondern als logisch begründete Antworten auf den individuellen Aufrechterhaltungsmechanismus.

BerichtBiber unterstützt Psychotherapeut:innen dabei, SORKC-Analysen, Verlaufsnotizen und Stichpunkte in formal stimmige Berichtsentwürfe zu überführen. Wenn Sie Gutachterberichte effizienter, konsistenter und verhaltenstherapeutisch präziser erstellen möchten, können Sie BerichtBiber im Praxisalltag kennenlernen.