Berichtstyp · ADHS-Diagnostik

ADHS-Befundbericht schreiben

Nach der Diagnostik muss ein Bericht her, der fachlich sauber ist – für Patient:in, weiterbehandelnde Ärzt:innen oder Nachteilsausgleich. Diese Anleitung zeigt eine Gliederung orientiert an der S3-Leitlinie ADHS von 2018, die derzeit überarbeitet wird.

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Schnelle Einordnung für die Praxis

Typischer Anlass
Leitlinienfest dokumentieren: multimodale Diagnostik, Fremdanamnese, Funktionsbeeinträchtigung.
Kernfrage
Was gehört in einen ADHS-Befundbericht nach S3-Leitlinie?
Vorlage
ADHS-Befundbericht · 8 Abschnitte
Wichtigster Schutz
Tests diagnostizieren ADHS nicht allein

Was gehört in einen ADHS-Befundbericht nach S3-Leitlinie?

Ein an der S3-Leitlinie ADHS von 2018 orientierter Befundbericht bildet die multimodale Diagnostik ab: Auftrag und Fragestellung, aktuelle Symptomatik in mehreren Lebensbereichen, Entwicklungsgeschichte und Beginn (Kindheitssymptomatik), Fremdanamnese und Dokumente, psychischer Befund und Verhaltensbeobachtung, ergänzende Zusatzdiagnostik (Fragebögen/Tests), Komorbiditäten und Differenzialdiagnosen sowie die diagnostische Schlussfolgerung mit Empfehlung. Neben den Symptomen ist die klinisch signifikante Funktionsbeeinträchtigung in mindestens zwei Lebensbereichen zentral; Tests sind nur ergänzend.

ADHS-Berichte werden kritisch gelesen – oft wegen Medikationswunsch oder Nachteilsausgleich. Umso wichtiger ist eine Begründung, die zeigt: Hier wurde multimodal und nicht allein per Fragebogen diagnostiziert. Wenn Sie Symptomatik, Entwicklungsverlauf, Fremdanamnese und Funktionsbeeinträchtigung zusammenführen, trägt die Diagnose auch bei genauem Hinsehen.

Was gehört hinein?

Diese Gliederung entspricht der BerichtBiber-Vorlage „ADHS-Befundbericht" – 8 Abschnitte, die Sie mit einem Klick übernehmen und vom Diktat oder Transkript ausfüllen lassen können.

  1. 1

    Auftrag und Fragestellung

    Beschreiben Sie Anlass der Diagnostik, wer den Bericht erhält und welche konkrete Frage beantwortet werden soll. Bei Erwachsenen zusätzlich Berufs- oder Ausbildungskontext. Unterscheiden Sie klar zwischen Diagnostik, Behandlungsempfehlung und Bescheinigung.

  2. 2

    Aktuelle Symptomatik in mehreren Lebensbereichen

    Beschreiben Sie Art, Häufigkeit und Intensität der ADHS-Symptome, ihre situative Variabilität und die Auswirkungen in Familie, Schule, Beruf und Freizeit sowie die daraus resultierenden Funktionsbeeinträchtigungen.

  3. 3

    Entwicklungsgeschichte und Beginn

    Stellen Sie Beginn und Verlauf der Symptomatik dar: Entwicklungstrajektorie, Kindheitssymptomatik, relevante Vorbehandlungen, Ressourcen, Belastungen und Familienanamnese. Beginn in der Kindheit und funktionale Auswirkungen sind für die diagnostische Einordnung zentral.

  4. 4

    Fremdanamnese und Dokumente

    Fassen Sie Angaben Dritter zusammen: Berichte von Eltern, Bezugspersonen, ggf. Pädagog:innen, schriftliche Berichte und Zeugnisse. Bei Erwachsenen möglichst Fremdinformationen enger Bezugspersonen einbeziehen und mit dem klinischen Interview abgleichen. Quelle der Angaben kennzeichnen.

  5. 5

    Psychischer Befund und Verhaltensbeobachtung

    Beschreiben Sie Auffälligkeiten in Kontakt, Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Affekt, Antrieb, Denkablauf, Realitätsbezug und Krankheitseinsicht. Bei Kindern zusätzlich die Interaktion mit Eltern/Bezugspersonen. Verhaltensbeobachtung und psychopathologische Beurteilung sind leitlinienseitig obligat.

  6. 6

    Zusatzdiagnostik

    Berichten Sie eingesetzte Fragebögen, Selbst- und Fremdbeurteilungen sowie ggf. testpsychologische Verfahren mit Ergebnissen. Kennzeichnen Sie diese ausdrücklich als ergänzend: ADHS soll nicht ausschließlich auf neuropsychologischen Tests diagnostiziert oder ausgeschlossen werden. Labor/EEG/apparative Verfahren sind nicht routinemäßig erforderlich, sondern nur differenzialdiagnostisch, somatisch oder vor Pharmakotherapie relevant.

  7. 7

    Komorbiditäten und Differenzialdiagnosen

    Erfassen Sie koexistierende psychische, neurologische oder somatische Symptome und grenzen Sie andere Störungen ab. Verweisen Sie an Spezialist:innen, wo die eigene Abklärung nicht ausreicht.

  8. 8

    Diagnostische Schlussfolgerung und Empfehlung

    Stellen Sie die Diagnose mit angegebenem Klassifikationssystem und Diagnosesicherheit, Symptompräsentation, Ausmaß der Funktionsbeeinträchtigung und Schweregrad dar. Geben Sie konkrete Behandlungs- und Abklärungsempfehlungen. Betonen Sie neben den Symptomen das Ausmaß der Beeinträchtigung (klinisch signifikant in mind. zwei Lebensbereichen).

Praxis-Tipps für diesen Bericht

Tipp

Multimodale Diagnostik sichtbar machen

Die S3-Leitlinie verlangt mehr als einen Test. Bilden Sie im Bericht ab:

  • Strukturierte Exploration / klinisches Interview
  • Verhaltensbeobachtung und psychopathologische Beurteilung
  • Fremdanamnese (Bezugspersonen, Zeugnisse) mit Quellenangabe
  • Ergänzende Fragebögen und Tests – ausdrücklich als ergänzend gekennzeichnet
Gut zu wissen

Funktionsbeeinträchtigung konkret beschreiben

Zählen Sie nicht nur Symptome auf, sondern beschreiben Sie die klinisch signifikante Beeinträchtigung in mindestens zwei Lebensbereichen – etwa Arbeit, Studium, Partnerschaft, Haushaltsführung. Das ist für die Diagnose ebenso entscheidend wie die Symptomatik selbst.

Achtung

Tests diagnostizieren ADHS nicht allein

Die S3-Leitlinie ist eindeutig: ADHS soll nicht ausschließlich durch neuropsychologische Tests diagnostiziert oder ausgeschlossen werden. Kennzeichnen Sie Testergebnisse als ergänzend – und beziehen Sie die obligate körperlich-neurologische Untersuchung (bei Diagnostik durch Psychotherapeut:innen ärztlich) mit ein.

Rechtlicher Rahmen & Fakten

  • Die S3-Leitlinie ADHS verlangt eine multimodale Diagnostik: strukturierte Exploration/klinisches Interview, Verhaltensbeobachtung, psychopathologische Beurteilung und körperlich-neurologische Untersuchung (bei Diagnostik durch Psychotherapeut:innen erfolgt letztere zusätzlich ärztlich).
  • Fragebögen und neuropsychologische Tests sind ergänzend; ADHS soll nicht ausschließlich darauf diagnostiziert oder ausgeschlossen werden.
  • Für die Diagnose ist neben den Symptomen eine klinisch signifikante Funktionsbeeinträchtigung in mindestens zwei Lebensbereichen erforderlich.

ADHS-Befundbericht in Minuten statt Stunden

Diagnostik-Ergebnisse eingeben – der Bericht ordnet sie leitliniennah und begründet die Diagnose nachvollziehbar.

Häufige Fragen

Reichen Fragebögen und Tests für die ADHS-Diagnose?
Nein. Fragebögen und neuropsychologische Tests sind ergänzend; laut S3-Leitlinie soll ADHS nicht ausschließlich darauf diagnostiziert oder ausgeschlossen werden. Erforderlich ist eine multimodale Diagnostik aus Interview, Verhaltensbeobachtung, psychopathologischer Beurteilung und Fremdanamnese.
Wie dokumentiere ich die Kindheitssymptomatik bei Erwachsenen?
Erheben Sie Beginn und Verlauf der Symptomatik über die Entwicklungsgeschichte und stützen Sie sich möglichst auf Fremdinformationen enger Bezugspersonen sowie auf Dokumente wie Schulzeugnisse. Kennzeichnen Sie, welche Angaben auf Fremdauskunft beruhen, und gleichen Sie sie mit dem klinischen Interview ab.
Muss eine körperliche Untersuchung erfolgen und durch wen?
Ja, eine körperlich-neurologische Untersuchung ist Teil der Diagnostik. Erfolgt die Diagnostik durch Psychotherapeut:innen, wird dieser Teil zusätzlich ärztlich durchgeführt. Vermerken Sie im Bericht, dass und durch wen die Untersuchung erfolgt ist.
Wie grenze ich ADHS von Differenzialdiagnosen im Bericht ab?
Erfassen Sie koexistierende psychische, neurologische oder somatische Symptome in einem eigenen Abschnitt und grenzen Sie andere Störungen begründet ab. Wo die eigene Abklärung nicht ausreicht, verweisen Sie ausdrücklich an Spezialist:innen.

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