Berichtstyp · Hausarztpraxis

Bericht an die Hausarztpraxis schreiben

Ein kurzer, kollegialer Brief an die Hausarztpraxis verbessert die Behandlung – bleibt aber oft liegen, weil er freiwillig wirkt. Diese Anleitung zeigt ein einseitiges Briefformat und einen Beispieltext für den psychischen Befund.

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Schnelle Einordnung für die Praxis

Typischer Anlass
Einseitiger kollegialer Brief – Medikation, Risikolage, somatische Abklärung.
Kernfrage
Was gehört in einen Bericht an die Hausarztpraxis?
Vorlage
Bericht an die Hausarztpraxis · 7 Abschnitte
Wichtigster Schutz
Konsiliarbericht (Muster 22) nicht verwechseln

Was gehört in einen Bericht an die Hausarztpraxis?

Ein Bericht an die Hausarztpraxis ist ein kurzer kollegialer Brief (idealerweise eine Seite): Anlass und Behandlungsrahmen, gesicherte Diagnosen (Verdachtsdiagnosen als solche gekennzeichnet), aktuelle Symptomatik und psychischer Befund, knappe relevante Anamnese, somatische Relevanz und Medikation, bisheriger Verlauf und Interventionen sowie konkrete Empfehlungen an die Praxis. Einen bundeseinheitlichen Pflichtinhalt gibt es nicht; fachliche Orientierung bietet der psychosomatisch-psychotherapeutische Arztbrief (HL7 Deutschland).

Hausärzt:innen brauchen keine Biografiearbeit, sondern die Schnittstelle: Medikation, Risikolage, AU-Relevanz und Hinweise zur somatischen Ausschlussdiagnostik. Wenn Sie sich darauf konzentrieren, ist der Bericht in wenigen Minuten geschrieben und für die Praxis tatsächlich nützlich.

Was gehört hinein?

Diese Gliederung entspricht der BerichtBiber-Vorlage „Bericht an die Hausarztpraxis" – 7 Abschnitte, die Sie mit einem Klick übernehmen und vom Diktat oder Transkript ausfüllen lassen können.

  1. 1

    Anlass und Behandlungsrahmen

    Benennen Sie Adressat, Anlass des Berichts, seit wann psychotherapeutischer Kontakt besteht und mit welcher Fragestellung die Hausarztpraxis den Bericht erhält. Kurzer klarer Anlassblock am Anfang.

  2. 2

    Diagnosen und Problemübersicht

    Nennen Sie die gesicherten psychischen Diagnosen (ICD-10); Verdachtsdiagnosen nur als solche kennzeichnen. Relevante somatische und psychosoziale Begleitprobleme kurz benennen.

  3. 3

    Aktuelle Symptomatik und psychischer Befund

    Beschreiben Sie Hauptbeschwerden und Verlauf seit Therapiebeginn bzw. letztem Bericht sowie Kontaktverhalten, Affekt, Antrieb, Denken, Wahrnehmung, Schlaf, Risikolage und Krankheitseinsicht. Fokussiert halten.

  4. 4

    Relevante Anamnese

    Fassen Sie fokussiert die für die Weiterbehandlung relevante Vorgeschichte zusammen: psychotherapeutische/psychiatrische Vorgeschichte, soziale Anamnese, Suchtanamnese, ggf. biografische Schlüsselfaktoren. Nur das Nötige.

  5. 5

    Somatische Relevanz und Medikation

    Nennen Sie bekannte somatische Erkrankungen, relevante organmedizinische Anamnese, die aktuelle Medikation sowie relevante Konsile oder Diagnostik. Diese Schnittstelle ist für die Hausarztpraxis meist der eigentliche Mehrwert.

  6. 6

    Bisheriger Verlauf und Interventionen

    Beschreiben Sie knapp, welche psychotherapeutischen Maßnahmen bisher erfolgt sind, welche Veränderungen eingetreten sind und welche Belastungsfaktoren fortbestehen.

  7. 7

    Empfehlungen an die Hausarztpraxis

    Formulieren Sie konkret, was beobachtet, mitbehandelt oder abgeklärt werden sollte: Medikation, Krankschreibung, somatische Ausschlussdiagnostik, Schlaf, Sucht, Krisenplan, Mitbehandlung durch Fachärzt:innen.

Praxis-Tipps für diesen Bericht

Tipp

Auf das für die Weiterbehandlung Relevante fokussieren

Was die Hausarztpraxis wirklich weiterbringt:

  • Aktuelle Medikation und Vorschläge
  • Risikolage (Suizidalität, Absprachefähigkeit)
  • AU-Relevanz
  • Empfohlene somatische Ausschlussdiagnostik
Gut zu wissen

Psychischen Befund in 5–7 Sätzen

Ein knapper, fachsprachlich sauberer psychischer Befund (Kontakt, Affekt, Antrieb, Denken, Wahrnehmung, Schlaf, Risikolage, Krankheitseinsicht) ist der am häufigsten gesuchte Baustein. Halten Sie ihn fokussiert – die Weiterbehandlung braucht das Wesentliche, nicht jedes Detail.

Achtung

Konsiliarbericht (Muster 22) nicht verwechseln

Der Konsiliarbericht Muster 22 läuft von der Ärztin zum Therapeuten (vor Antritt der Therapie). Der Bericht an die Hausarztpraxis läuft umgekehrt – vom Therapeuten zur Ärztin. Verdachtsdiagnosen immer ausdrücklich als solche kennzeichnen.

Rechtlicher Rahmen & Fakten

  • Für den psychotherapeutischen Bericht an die Hausarztpraxis gibt es keinen bundeseinheitlichen Pflichtinhalt; der eArztbrief (KIM) regelt die technische Übermittlung.
  • Fachliche Orientierung bietet der psychosomatisch-psychotherapeutische Arztbrief (HL7 Deutschland) mit den Kernsektionen Diagnosen, Beschwerdebild, psychischer Befund, Behandlung/Verlauf und Therapieempfehlung.

Bericht an die Hausarztpraxis in Minuten statt Stunden

Aus dem Sitzungsdiktat wird ein einseitiger kollegialer Brief – fachsprachlich sauber, ohne überflüssige Intimdetails.

Häufige Fragen

Wie kurz darf der Bericht an den Hausarzt sein?
So kurz wie möglich – eine Seite genügt meist. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern dass Medikation, Risikolage, AU-Relevanz und somatische Hinweise klar erkennbar sind.
Was ist der Unterschied zum Konsiliarbericht (Muster 22)?
Der Konsiliarbericht Muster 22 wird von einer Ärztin bzw. einem Arzt vor Aufnahme der Psychotherapie erstellt und geht an die Therapeutin. Der Bericht an die Hausarztpraxis geht in die Gegenrichtung – von der Psychotherapie an die Hausarztpraxis – und dient der laufenden Mitbehandlung.
Wie formuliere ich einen psychischen Befund knapp und fachlich?
Arbeiten Sie die Standardachsen kurz ab: Bewusstsein und Orientierung, Kontakt und Affekt, Antrieb, Denken und Wahrnehmung, Schlaf, Risikolage sowie Krankheitseinsicht. Fünf bis sieben präzise Sätze genügen für einen aussagekräftigen Befund.
Welche Empfehlungen an die Hausarztpraxis sind sinnvoll?
Konkret und umsetzbar: Vorschläge zur Medikation, Bitte um somatische Ausschlussdiagnostik, Hinweise zu Schlaf oder Sucht, zur Krankschreibung, zum Krisenplan oder zur Mitbehandlung durch Fachärzt:innen.

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